Archiv für August, 2010

“Zeit für sterbende Menschen”

"Hospiz ist überall" ist das Motto der Aktionswochen im Tiroler Oberland

Aktionswochen im Tiroler Oberland vom 10. September bis 5. Oktober 2010

Ehrenamtliche HospizbegleiterInnen haben Zeit für sterbende Menschen, hören ihnen zu und entlasten Angehörige. Sie begleiten zu Hause, im Heim oder auch im Krankenhaus. Sie helfen dort, wo gerade Hilfe gebraucht wird. Der Bedarf an ehrenamtlichen HospizbegleiterInnen ist groß, darauf möchte die Tiroler Hospiz-Gemeinschaft im Rahmen der Aktionswochen in den Bezirken Imst und Landeck aufmerksam machen.

Informationsveranstaltungen zur Arbeit der Tiroler Hospiz-Gemeinschaft

Bei insgesamt sechs Informationsveranstaltungen in den Bezirken Imst und Landeck können sich alle Interessierten über die Hospizbewegung und die Ausbildung zum/zur ehrenamtlichen HospizbegleiterIn informieren. Die Höhepunkte sind: ein Vortrag von Altbischof Reinhold Stecher in Silz, die feierliche Eröffnung des Regionalbüros in Imst mit der Vorsitzenden Marina Baldauf und der Vortrag von Caritasdirektor Georg Schärmer in Landeck.

Hier erhalten Sie einen vollständigen Überblick über alle Veranstaltungen im Rahmen der Aktionswochen!

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Lerne leben!

Herr Schöpf während seines Vortrags im Haus der Begegnung in Innsbruck

ALS Patient Gehrad Schöpf sprach bei einem Vortrag im Haus der Begegnung in Innsbruck über seine Krankheit und wie er damit zu leben gelernt hat. Er erkrankte im Jänner 2005 an ALS. ALS heißt Amyotrophe Lateralsklerose. Einfach ausgedrückt: Es sterben die Muskeln ab, langsam aber stetig. Im Folgenden finden Sie einige ausgewählte Zitate aus seinem Vortrag, den er am 1. Juli 2010 im Haus der Begegnung in Innsbruck gehalten hat:

„Der wichtigste Punkt, warum ich hier bin, ist, anderen schwer Kranken, aber auch gesunden Personen Mut zu geben die Fakten zu akzeptieren und damit leben zu lernen beziehungsweise sich öfters Gedanken zu machen, was für mich oder meine Familie wichtig ist. […]

Herr Schöpf fragte sich natürlich, wie er mit dieser Krankheit weiterleben soll. Ob es nicht besser wäre, zu sterben? Doch seine Antwort fällt sehr kurz und klar aus:

„Geht nicht, ich lebe zu gerne!

Aus diesem Grund habe ich mein Leben neu organisieren müssen. Das heißt: Ich hatte vieles neu zu lernen.  Am meisten Geduld, und auf andere Personen angewiesen zu sein. Ich muss es härter ausdrücken – von anderen Personen abhängig zu sein!. Das ist und war für mich eine der schlimmsten Folgen, meine Selbständigkeit aufzugeben. Die Krankheit nimmt keine Rücksicht auf meine Selbständigkeit. Am Anfang das Laufen, dann das Greifen mit meiner rechten Hand, das Gehen, das … […]

Herr Schöpf sprach auch über seine Erfahrung mit dem Hospiz und der mobilen Pflege:

„Im Mai 2009 hatten wir unser Erstgespräch mit dem Hospiz.

Auf Grund des Gesprächsverlaufes wusste ich sofort, dass die Philosophie des Hospizes stimmt, da die zu betreuende Person im Vordergrund steht. Aber aller Anfang ist schwierig, vor allem, wenn man eine Person wie mich pflegen darf oder muss… Ich habe nämlich Hörner am Kopf und meine eigene Vorstellung von Körperpflege. Dieser Umstand war am Anfang eine Herausforderung für das mobile Hospiz und natürlich auch für mich. Zur Unterstützung des mobilen Hospizes  kam zusätzlich das  „Netzwerk“ zu mir. Diese Organisation kann ich nur weiter empfehlen, die Philosophie ist die gleiche, der Mensch steht im Vordergrund. An dieser Stelle möchte ich mich bei beiden Organisationen, besonders bei meinen Pflegerinnen und meinem Pfleger, bedanken! Zur Abwechslung hatten auch diese in ihrem Leben einiges zu lernen – ich auch, nämlich Kompromisse einzugehen. Mittlerweile sind wir ein eingeschworenes Team und ich freue mich jeden Tag auf sie.“

Herr Schöpf über seine Erfahrungen mit Angehörigen und Freunden:

„Leider war mir das Kommunizieren nur mehr mit einer Buchstabentafel oder mit Hilfe der Bildschirmtastatur möglich. Diese Art der Verständigung dauert ewig und ist noch dazu sehr anstrengend -  für beide Seiten!

In dieser Zeit verlor ich sehr viele Freunde, da diese nicht mehr wussten, was sie mit mir anfangen sollten. Traurig, aber wahr! Mir tat diese Erkenntnis sehr weh, doch so hart kann das Leben sein. An dieser Stelle eine Bitte an Sie, liebe Gäste: Sollten Sie in Ihrem Freundeskreis eine schwer kranke Person haben, lassen Sie diese nie im Stich! Es genügt, einen Gruß ausrichten zu lassen, ein paar Zeilen zu schreiben, oder was auch immer Sie wollen. Glauben Sie mir, es sind kleine Dinge, die uns Schwerkranken Freude bereiten.“

Herr Schöpf konnte sich nur mehr über die Bildschirmtastatur oder eine Buchstabentafel ausdrücken. Durch die Anschaffung eines augengesteuerten Sprachcomputers haben sich seine Kommunikationsmöglichkeiten stark verbessert:

„Ein besonderer Dank gebührt unserem Landeshauptmann Günther Platter, der die Zur-Verfügung-Stellung dieses Sprachcomputers ermöglichte. Durch diesen Computer hat sich meine Lebensqualität um 100 Prozent gesteigert. Auch mein Freundeskreis wird dadurch, dass ich wieder sprechen kann, größer. An diesem Beispiel merkt man extrem die Notwendigkeit von Sprache und Kommunikation!“

„Was möchte ich Ihnen noch auf ihren Weg mitgeben:

  • Es sind Eindrücke, die ich in den letzten fünf Jahren gesammelt habe.
  • Es gibt Menschen, denen es schlechter geht, als einem selbst
  • Jeder Tag, den man erleben darf, ist ein schöner Tag
  • Es ist entscheidend Mut zu haben sein Leben zu verändern, damit es Freude und Spaß macht.

Das Hospiz ist für Schwerkranke und Menschen, die dem  Sterben nahe sind, eine wunderbare Einrichtung. Wenn möglich, sollte der Schwerkranke so lange, wie es für die Angehörigen machbar ist, zu Hause bleiben.“

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Gedanken – Labyrinth

"Das Leben ist ein beständiges Gehen im Labyrinth"

Das Leben ist ein beständiges Gehen
im Labyrinth:

ankommen und aufbrechen,
zur Mitte finden und sie wieder verlassen müssen.

Sich wenden müssen
Und doch immer weiterkommen.

Gernot Candolini
www.labyrinth.at


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Recht auf Hospizversorgung statt Tötung auf Verlangen

Flächendeckende Hospiz Versorgung als Alternative zur aktiven Sterbehilfe

Im Februar 2010 hat die Publikation der Studie der Medizinischen Universität Graz („Umfrage zu aktiver Sterbehilfe“) eine breite und noch immer andauernde Diskussion um Tötung auf Verlangen angestoßen.
Mit einem Brief, den Waltraud Klasnic als Präsidentin des Dachverbandes Hospiz Österreich am 24.2.2010 an alle im Parlament vertretenen Parteien, die zuständigen Verantwortungsträger in der Politik und viele mit ähnlichen Aufgaben vertraute Organisationen schrieb, brachten wir uns in die Diskussion ein mit dem Wunsch und Ziel, das Verbot von Tötung auf Verlangen und das Recht auf ein Sterben in Würde durch Hospiz- und Palliativversorgung in der Verfassung zu verankern.

Mehr dazu hier.

Aus: Hospiz Österreich, Newsletter 2/2010 www.hospiz.at

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Lebensfreude – eine Kunst ?

Unser seelisches Gleichgewicht wird tagtäglich auf die Probe gestellt.

Fachtagung in Innsbruck
Samstag, 9. Oktober 2010, 9.00 – 17.00 Uhr

Unser seelisches Gleichgewicht wird tagtäglich auf die Probe gestellt: wir sind mit verschiedensten Anforderungen – in Familie und Freundeskreis, am Arbeitsplatz, in der Nachbarschaft, in der Gesellschaft – konfrontiert, das hohe Lebenstempo und große Erwartungen setzen Menschen zunehmend unter Druck. Besonders unerwartete Schicksalsschläge stellen unsere Fähigkeit, schwierige Situationen zu meistern, auf die Probe. Aber auch krisenfreie Zeiten, das Leben in einer Gesellschaft mit hohem Lebensstandard und vielfältigen Vergnügungsangeboten, garantieren nicht das Erleben innerer Zufriedenheit oder gar Glück.

Diese Veranstaltung wird das Thema aus verschiedenen Perspektiven beleuchten und Fähigkeiten, Strategien und Bedingungen erforschen, die bei der Bewältigung von Belastungen im Leben hilfreich sein können und dazu beitragen, mehr Freude – oder gar Glück – ins eigene Leben zu bringen.

Zielgruppe:

Menschen, denen ihr seelisches Wohlbefinden wichtig ist und die ihre Lebenszufriedenheit erhöhen wollen; Menschen, die spüren, dass ihnen ihre derzeitige Lebenssituation nicht gut tut und die Veränderungen anstreben; Menschen aus psychosozialen und pädagogischen Berufen, Interessierte

Ort:

Vormittag: Haus der Begegnung, Rennweg 12

Nachmittag: Haus der Begegnung und Gesellschaft für Psychische Gesundheit – pro mente tirol, Karl-Schönherr-Str. 3, Innsbruck

Weitere Informationen im Veranstaltungsfolder, den Sie hier als PDF downloaden können!

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Mir geht es gut, davon möchte ich etwas weitergeben

"Die Beschäftigung mit der Endlichkeit entspannt." Thaddaeus Gotwald

Ein Irrläufer als Wegweiser

„Eigentlich weiß ich überhaupt nicht, warum ich dieses Schreiben bekam“, erzählt Thaddeus Gotwald, Radiologe an der Klinik in Innsbruck. Eines Tages lag in seinem Postfach eine Informationsbroschüre über die Ausbildung für ehrenamtliche HospizbegleiterInnen in Innsbruck. Dieser Irrläufer erwies sich aber im Nachhinein als echter Glücksfall, erzählt der Mediziner. „Bei mir hat es sofort ‚Klick‘ gemacht und ich entschied mich, dabei zu sein.“

Als Arzt sei er doch vorwiegend für die medizinische Betreuung verantwortlich, die menschliche Begleitung komme manchmal zu kurz. Auf die Frage warum er sich ehrenamtlich engagieren möchte, meint Thaddeus Gotwald:“ Mir geht es gut, und davon möchte ich etwas weitergeben.“

Ein Kurs, der in die Tiefe geht

„Für mich war bereits das erste Wochenende eine echte Offenbarung. So viel Tiefe, Ehrlichkeit und Bereitschaft sich zu öffnen, habe ich noch nie erlebt. Ehrlich gesagt habe ich mir das ganz anders vorgestellt. Viel abstrakter, weniger in die Tiefe gehend.“

In Anbetracht der Endlichkeit

„Meine eigene Endlichkeit ist mir jetzt viel präsenter. Ich erlebe das aber nicht als Druck oder Stress – im Gegenteil. Früher habe ich mir nie die Frage gestellt, was es bedeuten würde, wenn mein Leben in absehbarer Zeit zu Ende wäre. Die intensive Auseinandersetzung mit der Endlichkeit des Lebens hat in mir das Bewusstsein geschärft, dass im Leben vieles relativ ist und das finde ich entspannend.“

Insgesamt haben 15 Personen im April die Ausbildung für ehrenamtliche HospizbegleiterInnen in Innsbruck abgeschlossen. Die AbsolventInnen werden auf der Hospiz- und Palliativstation, im Mobilen Hospiz- und Palliativteam oder in den ehrenamtlichen Hospizgruppen rund um Innsbruck die Hospizbewegung weiter wachsen lassen.

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Geschlechtersensible Hospiz- und Palliativkultur

Männer und Frauen haben auch in der letzten Lebensphase oft unterschiedliche Bedürfnisse

Um alten und sterbenden Menschen in ihrer letzten Lebensphase gerecht zu werden, sollten auch die Bedürfnisse, Ängste und Wünsche, die mit den Geschlechterrollen zusammenhängen, aufmerksam wahrgenommen werden. Selbst wenn die Frage zu kurz greift, ob Frauen anders sterben als Männer: Gesellschaftliche Konstrukte von Weiblichkeit und Männlichkeit wirken bis in den Tod. Gendersensibilität erhöht deshalb die Qualität der Betreuung.

Diesem Themenkreis widmet(e) sich ein neues Buch und ein Workshop beim IFF-ÖRK Symposium im April.

Mehr dazu hier.

Aus: Hospiz Österreich, Newsletter 2/2010 www.hospiz.at

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Gut versorgt, aber nicht gebraucht

Portrait Reimer Gronemeyer

„Die Demenz ist die Rückseite unserer Gesellschaft“, Prof. Reimer Gronemeyer

„80- bis 85-jährige Großmütter in Südafrika haben wegen der ungeheuren Aidsepidemie vielfach alle ihre Kinder verloren. Sie sind oft alleine für ihre über 20 Enkelkinder verantwortlich, und das bei einem Einkommen von unter 25 Euro.“

Bei einem Vortrag auf Einladung der Tiroler Hospiz-Gemeinschaft im Haus der Begegnung sprach der deutsche Soziologe und Theologe Reimer Gronemeyer über die Zukunft des Alterns im „reichen“ Europa im Vergleich mit anderen armen Ländern oder Kontinenten.

„Diese südafrikanischen Großmütter geben der „Altenhilfe“ einen völlig anderen Sinn. Sie geben Hilfe und brauchen sie nicht selber! Das große Geheimnis der Stärke dieser Frauen ist das Gebraucht-Werden“, meint Gronemeyer.

Jede Zeit hat ihre Krankheit

Da sei es kein Wunder, dass immer mehr EuropäerInnen an Demenz erkranken.

„Ich glaube aber nicht, dass uns die Demenz zufällig ereilt. Sie ist eine Krankheit unserer Zeit. Sie ist die Rückseite unserer Gesellschaft. Einer Gesellschaft der Beschleunigung, Innovation und auch einer Gesellschaft des Vergessens. Die Kälte, die Isolation, die Kopf- und Verstandeslastigkeit, die Informationsflut und eben die Einsamkeit der Menschen kommen in der Demenz zum Ausdruck. Die Zahl der Menschen, die da nicht mehr mitkommt, wächst. Es gibt die Behauptung, dass sich die Menschen bei uns heute mehr vor Demenz als vor Krebs oder dem Tod fürchten.

Die Demenz trifft uns sozusagen im Kern unserer Ängste und unseres Personseins. Die Existenz der Menschen mit Demenz fordert uns zu einer Umkehr auf.“

Kein Recht auf Hoffnungslosigkeit

Gronemeyers Vision einer gesellschaftlichen Umkehr ist dabei frappierend „einfach“.

„Wir müssen uns wieder als Menschen entdecken, die den anderen zu Hilfe kommen.

Die Aufgaben, die ein grauköpfiges, überaltertes Europa mit sich bringt, erfordern mehr und mehr freiwilliges Engagement.“ Und abschließend meint Gronemeyer: „Wir haben nicht das Recht, hoffnungslos zu sein!“

Waltraud Fritz (Ehrenamtliche Mitarbeiterin) und Maria Streli Wolf (Öffentlichkeitsarbeit)

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Unterstützerin: “Liebevolle Zuwendung”

"Ich war beeindruckt, wie man den Menschen Entscheidungen zutraute und ermöglichte und habe dabei auch persönlich viel gelernt."

Mein Vater verbrachte einige Wochen im Hospiz. Die liebevolle Zuwendung machte dieses  für ihn zu einem “Paradies auf Erden” und ermöglichte einige positive Veränderungen in der letzten Lebenszeit. Ich war beeindruckt, wie man den Menschen Entscheidungen zutraute und ermöglichte und habe dabei auch persönlich viel gelernt. Deshalb unterstütze ich die Hospizgemeinschaft immer wieder gerne!

Susanne Pramhaas, Telfs

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