Archiv für den Monat: Juli 2011

Europäisches Jahr der Freiwilligentätigkeit 2011

„Ehrenamtliche tragen wesentlich dazu bei, Sterben und Tod schon im LEBEN Platz zu machen." Marina Baldauf

DANKE allen Ehrenamtlichen

Das Jahr der Freiwilligentätigkeit 2011 haben wir zum Anlass genommen, diese Ausgabe der Sonnenblume ganz dem Ehrenamt zu widmen.

Die Motive zum Engagement im Hospiz-Bereich sind oft ein ganzes Bündel an Bedürfnissen z.B. nach Güte, Wahrheit und Einzigartigkeit, nach Gerechtigkeit, Lebendigkeit verbunden mit Sicherheit, Liebe und Achtung.

Jedes Motiv ist wertvoll und trägt in seiner Besonderheit zur Vielfalt der Hospizbewegung bei. All dies sind Werte, die zum einen die Tiroler Hospiz-Gemeinschaft enorm bereichern und zum anderen das persönliche Umfeld und damit die Gesellschaft, in der wir leben mit verändern.

In jedem Falle geht es bei all unseren Einsätzen, egal ob haupt- oder ehrenamtlich, um das Zulassen von Kommunikation, Wertschätzung und das Wahrnehmen von Wünschen und Bedürfnissen.

Vorbildhafte BotschafterInnen der Hospizbewegung

Dabei ist der persönliche Wandel, den unsere ehrenamtlichen MitarbeiterInnen sehr oft durchleben wenn es um ihre eigene innere Einstellung zu Sterben und Tod geht, wesentlicher Bestandteil der Hospizbewegung. Der eigene Mut, sich den Themen Sterben, Tod und Trauer zu stellen, hat häufig Vorbildwirkung und bleibt für das Umfeld nie wirkungslos. Ehrenamtliche HospizmitarbeiterInnen tragen Kraft ihres Tuns wesentlich dazu bei, Tod und Sterben schon im Leben Platz zu machen.

Dafür möchte ich mich bei euch allen von Herzen bedanken!

Marina Baldauf, Vorsitzende Tiroler Hospiz-Gemeinschaft

Studie zum ehrenamtlichen Engagement im Hospiz

Was motiviert ehrenamtliche HospizbegleiterInnen? - Dieser Frage gingen die Studienautorinnen Claudia Schusterschitz , Andrea Leiter und Magdalena Thöni (von links nach rechts) nach.

Unsere Studie, finanziert aus den Mitteln des Jubiläumfonds der Österreichischen Nationalbank, diente der Erhebung und Auswertung von Daten, die ein umfassenderes Verständnis der Bereitschaft ehrenamtlicher Helfer in der Hospizbewegung Österreich tätig zu sein, erlauben sollen. Hospizeinrichtungen in Oberösterreich, Tirol und Vorarlberg beteiligten sich an der Studie. Von den rund 600 an die ehrenamtlichen Hospizmitarbeiter verteilten Fragebögen wurden 276 Stück retourniert.

Ehrenamtliche HospizbegleiterInnen sind überwiegend weiblich

Eine erste Datenanalyse zeigt, dass die typische ehrenamtliche Mitarbeiterin in allen drei Bundesländern ähnliche Merkmale aufweist: Sie ist weiblich, 56-60 Jahre alt, römisch-katholisch, lebt in einer Partnerschaft und besuchte eine Berufsschule bzw. berufsbildende mittlere Schule. Während in Oberösterreich und Vorarlberg der Großteil der ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen bereits pensioniert ist, ist der Anteil von Erwerbstätigen zu Pensionierten in Tirol nahezu ausgeglichen. Im Schnitt sind die Hospizmitarbeiterinnen bereits seit 5-6 Jahren im Hospiz tätig und stellen sich 3-4 Stunden/Woche für Hospiztätigkeiten zur Verfügung.

Soziale Verantwortung als wesentliches Motiv für das persönliche Engagement

In allen 3 Bundesländern wurden der Tod eines Verwanden/Freundes, das Informationsmaterial der Hospizbewegung und die persönliche Ansprache zur Mitarbeit als die drei wichtigsten Gründe für das ehrenamtliche Engagement im Hospiz genannt. Als zentrales individuelles Motiv für den ehrenamtlichen Einsatz wurde das Motiv der sozialen Verantwortung, dh, das Bedürfnis, hilfsbedürftige Menschen zu unterstützen, erwähnt.

Jedes Motiv erfährt durch die ehrenamtliche Tätigkeit ein unterschiedliches Ausmaß an Erfüllung/Befriedigung. Aus den erhaltenen Antworten lässt sich ableiten, dass die ehrenamtliche Tätigkeit vor allem zur Erfüllung der Motive der sozialen und politischen Verantwortung als auch des Motives der sozialen Bindung beiträgt.

Ziel der zukünftigen Auswertungen ist es, die Zusammenhänge von Motivation, Motiverfüllung, dem Erleben der ehrenamtlichen Tätigkeit sowie dem Ausmaß und der Dauer des ehrenamtlichen Engagements im Hospiz im Detail zu analysieren. Die Ergebnisse unserer Studie sollten daher Erkenntnisse für die Sicherstellung einer dauerhaften Aufrechterhaltung des ehrenamtlichen Engagements in der Hospizbewegung Österreich als auch für die Selektion neuer ehrenamtlicher Mitarbeiter liefern.

Abschließend möchten wir uns bei allen Teilnehmern nochmals herzlich für ihre Unterstützung bedanken, ohne die sich unser Projekt nicht hätte realisieren lassen.

Hier können Sie den ausführlichen Ergebnisbericht für Tirol downloaden!

Andrea Leiter, Claudia Schusterschitz, Magdalena Thöni

Gutes möglich machen

„Wie gut dass es die Engel der Hospiz-Gemeinschaft gibt.“ Gerti Vittur

Leo Vittur, der Mann von Gerti Vittur, wurde in seinen letzten Lebenswochen von der ehrenamtlichen Hospizgruppe Schwaz betreut. Gerti Vittur hat den folgenden Text für die Tiroler Hospiz- Gemeinschaft geschrieben.

„Ich brauch Tapetenwechsel, sprach die Birke, und macht sich in der Dämmerung auf den Weg.“

So einfach können Angehörige, die jemanden pflegen müssen, sich nicht auf den Weg machen. Wollen sie zum Einkaufen, oder notwendige Besorgungen erledigen, stehen sie vor der Frage: Wer betreut meinen Hilfebedürftigen? – Niemand da. Ab und zu springt die liebe Nachbarin ein. Doch dies ist für manche auch eine Überforderung. Sie fragen:

Wie umgehen mit an Demenz erkrankten Menschen?

Der Wert ehrlicher und tiefer Anteilnahme am Leben der Kranken wird oft unterschätzt. Sie spüren sehr wohl, wenn sich jemand um sie liebevoll kümmert, wenn mal ein anderer, fröhlicher Mensch sie umgibt.

Geschulte Engel

Es müssen aber nicht nur alte Menschen betreut werden, auch jüngere Menschen bleiben manchmal vom Unheil nicht verschont. Sie zu pflegen, ja auf den Tod vorzubereiten, übersteigt oft die Kräfte der Angehörigen. Wie gut, dass es die Engel von der Hospiz-Gemeinschaft gibt, Engel für diese schwere Aufgabe. Sie helfen freiwillig, benötigen aber für ihren Einsatz fachliche Unterstützung und Ausbildung und diese kostet Geld.

Weitere Informationen zu unserer Arbeit finden Sie hier auf unser Homepage: www.hospiz-tirol.at!

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Praxisorientiert und vielfältig: Die Bildungsarbeit der Tiroler Hospiz-Gemeinschaft

Susanne Jäger

Alle Menschen, die es brauchen, sollen in ganz Tirol am Lebensende gute Hospiz- und Palliativbetreuung bekommen. Dafür braucht es einerseits spezialisierte Dienste und Einrichtungen, andererseits gut qualifiziertes Personal in allen Institutionen, wo schwer kranke und sterbende Menschen betreut werden. Das Bildungsreferat der Tiroler Hospiz-Gemeinschaft trägt seit vielen Jahren durch entsprechende Weiterbildungsangebote dazu bei.

Weiterbildung und Vernetzung

Unsere Bildungsarbeit hängt sehr eng mit den anderen Arbeitsbereichen der Tiroler Hospiz-Gemeinschaft zusammen, vor allem mit dem Wirken der Regionalbeauftragten in verschiedenen Regionen Tirols, die wesentlich zur Sensibilisierung und Vernetzung beitragen. So wurde zum Beispiel im Jahr 2010 von einigen Fachleuten im Raum Schwaz der Wunsch nach einer Weiterbildung, die gleichzeitig die Zusammenarbeit zwischen den Institutionen fördert, geäußert. Wir haben daraufhin einen praxisorientierten, 40-stündigen Lehrgang veranstaltet, der sehr gut angekommen ist und nun weitere Kreise zieht: Der positive Effekt spricht sich herum, weitere Institutionen, die ihre MitarbeiterInnen schulen wollen, melden sich bei uns. „Bildung nach Maß“ nennen wir diese Angebote, die wir jeweils mit den AuftraggeberInnen gemeinsam entwickeln.

Sonja Prieth

Jährliche Fixpunkte

Daneben veranstalten wir laufend Vorträge und Seminare, die in unserem Bildungsprogramm für verschiedene Zielgruppen ausgeschrieben werden. Exemplarisch seien hier die monatliche Vortragsreihe „Palliativforum“ und der jährlich stattfindende „Tiroler Palliativtag“ erwähnt, zwei Veranstaltungen, die für viele Fachleute in Tirol bereits zu Fixpunkten geworden sind.

Das Bildungsreferat ist auch für die Aus- und Weiterbildung der ehrenamtlichen HospizbegleiterInnen verantwortlich, die in ganz Tirol HüterInnen und MultiplikatorInnen der Hospizidee sind. Sie zu qualifizieren und in ihrer Tätigkeit zu unterstützen ist unser ständiger Auftrag.

Palliative Care hat Zukunft

Im vergangenen Jahr haben wir außerdem mit der Konzeption und Planung für den „Interprofessionellen Universitätslehrgang Palliative Care“ begonnen, der im Mai 2011 zum ersten Mal startet. Die Tatsache, dass sich wesentlich mehr Menschen angemeldet haben, als wir Plätze zu vergeben haben, zeigt uns deutlich, dass der Bedarf an spezialisierter Weiterbildung in der Hospiz- und Palliativarbeit in Tirol groß ist.

Susanne Jäger, Sonja Prieth
Bildungsreferentinnen Tiroler Hospiz-Gemeinschaft

Gut strukturiert und zugleich flexibel

„Das Ehrenamt ist tragende Säule der Hospizbewegung in den Tiroler Regionen.“ Birgit Both

Die Regionalarbeit in der Tiroler Hospiz-Gemeinschaft

Die Regionalarbeiterinnen der Tiroler Hospiz-Gemeinschaft haben eine klassische Brückenfunktion: Ihre Aufgaben sind breit gefächert: sie unterstützen zum Beispiel die ehrenamtlichen Hospizgruppen, bauen Kontakte zu den Care-Systemen (Altenheime, Sozialsprengel, Krankenhäuser etc.) auf und aus und vertreten die Tiroler Hospiz-Gemeinschaft in der jeweiligen Region. Die Regionalarbeit muss einerseits langfristig planen und organisieren, andererseits flexibel auf regionale Entwicklungen reagieren.

Ehrenamt braucht Heimat

In den letzten Jahren sind immer häufiger ehrenamtliche MitarbeiterInnen in Alten- und Pflegeheimen in und um Innsbruck aktiv geworden. Da sie dringend eine „Heimat“ für Austausch und Reflexion ihrer Tätigkeit benötigten, wurde eine neue Hospizgruppe gegründet. Um diese zu betreuen wurde eine weitere Mitarbeiterin ins Team der Regionalarbeit aufgenommen – ein Schritt, der nicht geplant, aber notwendig war. Seit 2010 leitet nun Christine Kogler, die auf der Hospiz- und Palliativstation als Diplomkrankenschwester tätig ist, diese „Hospizgruppe Innsbruck/Land“.

Hospizbewegung wächst zusammen

Schon viele Jahre waren die Hospizgruppenleiterinnen der „Hospizgemeinschaft Tiroler Unterland“ willkommene Gäste im Team der GruppenleiterInnen. Letztes Jahr hat sich die „Hospizgemeinschaft Tiroler Unterland“ mit den Gruppen Kufstein und Kitzbühel an die Tiroler Hospiz-Gemeinschaft angeschlossen. Auch das war ein nicht vorhersehbarer, aber sehr begrüßter weiterer Schritt für eine bessere Zusammenarbeit.

Eine neue Gruppe im Lechtal

Im Außerfern haben wir im Jahr 2010 eine weitere Ausbildung für ehrenamtliche HospizbegleiterInnen geplant und gestartet. Die Teilnehmerinnen des Kurses wünschten sich eine eigene Hospizgruppe im Lechtal. Wir reagierten auf diese Initiative und gründeten eine neue Hospizgruppe, anstatt die neuen Ehrenamtlichen in die bestehende Gruppe in Reutte zu integrieren.

In Imst konnten wir im Herbst 2010 im neuen Pflegezentrum Gurgltal ein Büro für Annelies Egger, Regionalbeauftragte für das Tiroler Oberland, eröffnen. Solche Außenstellen in den Bezirken machen es uns möglich, besser und flexibler auf regionale Entwicklungen reagieren zu können.

Birgit Both
Leiterin Regionalarbeit Tiroler Hospiz-Gemeinschaft

Waltraud Klasnic: Recht auf Hospiz- und Palliativversorgung statt Tötung auf Verlangen

"Als Dachverband Hospiz Österreich sind wir gegen Tötung auf Verlangen und gegen assistierten Suizid." Waltraud Klasnic

„Die Erfahrung von schwerem Leiden und der Endlichkeit unseres Lebens stellt uns alle vor besondere Herausforderungen. Wenn der Wunsch nach Sterbehilfe ausgesprochen wird, so ist dies Ausdruck einer gesellschaftlichen Entwicklung und oft auch einer individuellen Not, deren Hintergründe vielfältig sind, und dem muss sensibel und respektvoll begegnet werden“, stellt Waltraud Klasnic, Präsidentin des Dachverbandes Hospiz Österreich, fest.

Hospiz- und Palliativbegleitung gewährleistet Selbstbestimmung

„Als Dachverband Hospiz Österreich sind wir gegen Tötung auf Verlangen und gegen assistierten Suizid. Wir fordern stattdessen, dass alle schwerkranken und sterbenden Menschen Zugang zu Hospiz- und Palliativbetreuung haben, unabhängig von Einkommen, Religion und Herkunft. Hospiz- und Palliativbegleitung gewährleistet Selbstbestimmung und Autonomie für die Betroffenen. Unsere Aufgabe ist es, Schmerzen zu lindern, Zeit zu haben und da zu sein. Viele ehrenamtliche und hauptamtliche MitarbeiterInnen ermöglichen, dass Menschen bis zuletzt leben und in Würde sterben können. Unnötige Behandlungen werden in der palliativen Betreuung unterlassen. Schmerz wird ganzheitlich wahrgenommen, auf der körperlichen, der emotionalen, der sozialen und der spirituellen Ebene. Wir sehen auch die Not der An- und Zugehörigen, wir begleiten bei Abschied und Trauer.“

Weitere Informationen zur Position des Dachverbandes Hospiz Österreich erhalten Sie hier!

Europäisches Jahr der Freiwilligentätigkeit 2011 – Neue Ausgabe der “Sonnenblume” erschienen

Den Schmerz kennen, die Angst nicht verdrängen, dem Tod seinen Platz geben und doch: das Leben feiern. Doris Gabriel

Die Juni Ausgabe der “Sonnenblume – Zeitschrift der Tiroler Hospiz-Gemeinschaft” ist erschienen.

Aus dem Inhalt:

  • Innig berührt, von der Vergänglichkeit staunend über die Wunder des Lebens – Rosmarie Mair über ihre Tätigkeit als ehrenamtliche Hospizbegleiterin
  • Altbischof Reinhold Stecher – Mein Dank an die Hospizbewegung
  • „Ihr Helden in der Wirklichkeit?“ – Brigitte Fassbaender über die Tiroler Hospiz Gemeinschaft
  • Wenn Beruf zur Berufung wird – Goldenes Ehrenzeichen für Marina Baldauf
  • „Ich habe ewas zu geben …“ – Das Ehrenamt als tragende Säule der Hospizbewegung
  • Wir sind das „Extra“!

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Tel.: 0512-7270-38
E-Mail: office@hospiz-tirol.at

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Die 10 meistgelesenen Artikel im Juni 2011

    Die zehn beliebtesten Tagebucheinträge im Juni 2011 zum Nachlesen.

  1. “Lerne leben!” – ALS Patient Gerhard Schöpf spricht über sein Leben und seine Krankheit
  2. Lerne leben!
  3. “Ein wundervoller Abend” – Rückblick auf das 8. Hospiz-Konzert
  4. Sterben und Tod in verschiedenen Religionen
  5. Begegnung mit der Angst am Lebensende
  6. “Die Stille und der Friede, die von ihr ausgingen, beeindruckten mich sehr.”
  7. Gedanken – Alles hat seine Zeit
  8. Der „Runde Tisch“ als Instrument in der Palliativbetreuung
  9. Herausforderung „Demenz“
  10. „Am besten für alle wäre, ich würde sterben… Geht nicht, ich lebe zu gerne!“